Was ist denn hier los?

Nicht selten passiert es mir, dass ich eine Szene, eine Situation oder ein Bild sehe, bei dem mir irgendetwas komisch oder unpassend vorkommt. Gerne überlege ich mir dann die nicht immer wahrscheinlichste Erklärung, wie es zu dieser Situation gekommen ist, manchmal auch, wie es wohl weitergeht.

In dieser Rubrik möchte ich versuchen, ein paar dieser Gedankengänge in mehr oder minder regelmäßigen Abständen schriftlich festzuhalten.

  1. Saturn-Oma
  2. Tretauto vor FH
  3. Drei Mützen und eine Bravo

Saturn-Oma


Heute habe ich auf der Straße ein Hutzel-Oma mit Saturn-Tüte gesehen, was an sich ja schon nicht allzu gewöhnlich ist. Darüber hinaus war die Tüte aber auch noch nicht mit kantig verpackten Elektronik-Artikeln gefüllt, sondern mit etwas Unförmigem, vermutlich Textilem. Foto konnte ich keins machen, also habe ich mal eben dilettantisch etwas hingephotoshopt, sah aber ziemlich ähnlich aus.


Und hier meine Erklärung dafür:

Ingeborgs Finger fuhren über die weiche Haut des neben ihr liegenden Mannes. Dies waren immer die schönsten Minuten, dachte sie sich. Natürlich, die Minuten davor waren auch schön gewesen, aber in ihrem Alter war der Beischlaf ein sehr anstrengendes, wenn auch lohnendes Vergnügen. Die kurze Zeit danach, in der die Extase noch anhielt und stark genug war, ihre Gewissensbisse zu übertönen, das waren die Momente, die Ingeborg wirklich genießen konnte. Dieses unfassbare Glück, dass sie mit ihren 73 Jahren noch einmal jemanden gefunden hatte, der sie begehrte! Und dann war er auch noch 30 Jahre jünger, stand also voll im Saft – jedenfalls mehr als ihr guter Herrmann, Gott habe ihn selig, in den letzten Jahren vor seinem Ableben. Gut, sie konnte ihn immer nur kurz besuchen, tagsüber, wenn seine Frau arbeiten war, aber in Momenten wie diesem schien es ihr das alles wert.
Seit sechs Wochen ging das nun schon so. Ingeborg hatte sich von einer Freundin überreden lassen zum Tanzcafé im Seniorentreff mitzukommen. Eigentlich wollte sie nicht, denn Kaffee und Kuchen hatte sie auch bei sich zu Hause, und die Auswahl der Tanzpartner sagte ihr nicht wirklich zu: alte Männer mit mehr Haaren in Ohr und Nase als auf dem Kopf, die sich beim Tanzen mehr auf sie aufstützten als alles Andere... Nein, darauf konnte sie verzichten, da würde sie nie mehr hingehen, hatte sie sich geschworen, aber es war nun mal Hildes Geburtstag gewesen, und da konnte Ingeborg sich nicht verweigern. Also war sie mitgegangen, hatte sich an einen der kleinen runden Tische gesetzt und gewartet, bis Hilde endlich die Beine ausreichend schmerzten, um wieder zu nach Hause zu gehen. Und dann geschah es: ihr gelangweilter Blick traf sich mit dem des vom Seniorentreff engagierten Musikers, der am anderen Ende der Tanzfläche hinter seinem Keyboard saß und den Tanzenden akustische Nostalgie darbot.
So hatte das also angefangen, damals vor sechs Wochen, sie waren ins Gespräch gekommen, er hatte ihr eine Obstbrandpraline angeboten, dann noch eine und noch eine... und Eins hatte zum Anderen geführt. So jung hatte Ingeborg sich schon lange nicht mehr gefühlt! Dass Bodo, ihre neue Flamme, verheiratet war hatte er ihr erst später offenbart, doch da war sie schon emotional zu involviert gewesen und außerdem, sie hatte Herrmann ja auch Zeit seines Lebens teilen müssen, mit seiner Sekretärin, dieser verruchten Person! Da war es nur gerecht, dass sie nun auch das Leben auskosten konnte.
Das alles ging Ingeborg gerade durch den Kopf, als sie hörte, wie ein Schlüssel ins Schloss der Wohnungstür geschoben wurde. Bodo schreckte auf.
-„Meine Frau!“, stieß er hervor, „Versteck Dich!“
Hastig sprang er aus dem Bett und las Ingeborgs Kleidung vom Boden auf, die er ihr kurz zuvor noch wolllüstig vom Leibe gerissen hatte. Ingeborg sah ihm dabei zu, wie er wild durch das Schlafzimmer rannte und die verstreuten Kleidungsstücke einsammelte. Sein Glied hüpfte dabei auf und ab wie ein Hündchen, dass sich aufs Fressen freut. Bei diesem Gedanken musste Ingeborg schmunzeln und streckte ihre Hand aus, um das Hündchen zu streicheln. Doch Bodo, der inzwischen vor ihr stand, zog sie aus dem Bett, drückte ihr ihre mittlerweile komplett aufgelesene Kleidung in die Hand und schob sie in den Einbauschrank.
-“Ich lenke sie ab“, flüsterte er ihr zu, „du machst, dass du hier wegkommst!“
Ingeborg wollte etwas auf diese schroffe und verletzende Aufforderung antworten, aber Bodo hatte die Schranktür bereits geschlossen und sich hastig wieder ins Bett gelegt. Enttäuscht und beleidigt streifte Ingeborg sich ihr Kleid und Mantel über und setzte sich ihre violette Strickmütze auf, zum Anziehen von BH, Unterhose und Stützstrumpf hätte sie sich setzen müssen, also behielt sie sie in den Armen und hörte zu, wie Bodos Frau die Tür zum Schlafzimmer öffnete.
-“Was machst du denn da?“ hörte sie die an den immer noch nackten Bodo gerichtete Frage.
-“Ich habe auf dich gewartet“, antwortete der.
-“Na, das ist aber eine nette Überraschung!“, die Frauenstimme schien sich durchs Zimmer zu Bodo hin zu bewegen. Dann war nur noch Schmatzen und schweres Atmen zu hören. „So eine Dirne!“ dachte Ingeborg sich, vor Eifersucht ganz wütend. Die unsittlichen Geräusche schienen ihr eine Ewigkeit zu gehen
-“Warte, nicht hier!“, hörte sie Bodo schließlich sagen. „Lass uns in die Küche gehen!“
„Der Küchentisch!“, schrie es in Ingeborg empört. Das war doch nun wirklich nicht zu fassen! Das war doch ihre Idee gewesen, und jetzt beschmutzte dieser Lustbold ihre Fantasie mit dieser Hure! Sie musste hier raus, keine Sekunde länger wollte sie in dieser Wohnung bleiben. Sie tastete im Dunkel des Schrankes umher, bekam eine Plastiktüte zu fassen, griff hinein, nahm das sich darin befindliche Kabel heraus, stopfte ihre Unterwäsche in die Tüte und öffnete die Tür des Wandschrankes. Eindeutiges Gerumpel war aus der Küche zu hören. Rasend vor Wut ging Ingeborg so schnell sie konnte zur Wohnungstür, öffnete sie, ging ins Treppenhaus und schlug die Tür hinter sich zu.
-“Was war das?“ hörte sie Bodos Frau gerade noch fragen, als sie durch die gegenüberliegende Haustür auf die Straße trat.
„Das geschiet ihm recht!“, dachte sie sich, als sie, die Tüte mit ihrer Unterwäsche in der einen, ihren Gehstock in der anderen Hand den Heimweg antrat. „Nie wieder“, nahm sie sich fest entschlossen vor, „nie wieder lasse ich mich von Hilde zum Tanzcafé überreden!“


Tretauto vor FH


Das Besondere an diesem Foto ist nicht nur das Selbstbewusstsein, mit dem dieses Tretauto auf einem ausgewachsenen Automobilstellplatz geparkt wurde, sondern auch, dass das Bild auf dem Parkplatz der FH Gelsenkirchen aufgenommen wurde.


Und hier meine Erklärung:

Arnolf war schon immer ein besonderes Kind. Das heißt, nicht schon immer, bei seiner Geburt war er scheinbar ganz normal, aber ab da ging es los. Schon nach zwei Wochen konnte er seinen Kopf heben, sehr früh, wie die Ärzte seinen Eltern bestätigten. Die meisten Babys bringen mit vier Monaten ihr erstes „Ma-Ma“ heraus, Arnolf war nur zwei Monate alt, mit vier Monaten hieß es bei ihm schon „Mutter, meine Windel ist voll!“. Das 20-Teile-Puzzle zu seinem ersten Geburtstag unterforderte ihn maßlos und im Alter von 2 Jahren las er sein erstes Buch, noch heute wartet er auf die Reaktion des Verlags auf seine Verbesserungsvorschläge...
Nach seinem Abitur reiste er ein für ein halbes Jahr nach Australien. Da er als allein reisender Unter-12-Jähriger eine besondere Behandlung genoss, durfte er auf dem Hinflug den Piloten im Cockpit besuchen, die Landung verlief zwar etwas holprig, aber das lag daran, dass die Sonnenblenden nicht auf 1,10m Körpergröße ausgelegt sind. In Australien lernte Arnolf surfen, schlug sich mit Gelegenheitsjobs auf Schaffarmen, deren Produktivität er durch Entwicklung einer neuen Futtermischung und Verbesserung der Schermaschinen beachtlich steigerte, durch und als er sechs Monate später die Heimreise antrat wurde er vom Premierminister verabschiedet, der sich bei Arnolf noch mal ausgiebig für sein Konzept zur Optimierung der Trainingsmethoden des australischen Rugby-Teams bedankte.
Zurück in Deutschland stellte Arnolf fest, dass ihn der Australien-Aufenthalt ein wenig zu sehr Geschmack am Müßiggang hat finden lassen, so dass er beschloss, sein ursprüngliches Vorhaben, einen Reiseroman zu verfassen zunächst auf Eis legte und sich stattdessen lieber gleich wieder der Wissensanhäufung zuzuwenden und sich im Alter von 12 Jahren für Wirtschaft an der Fachhochschule einzuschreiben. Bachelor in einem Jahr, Master anderthalb Jahre später - er hatte mit einer kurzen Sinnkrise (Pubertät) zu kämpfen, die ihn ein wenig zurückwarf.
Nach dem Studium stieg er in der väterlichen Privatbank ein, wurde schnell dessen Vize, kündigte dort aber bald, denn sein Vater dachte ihm nicht groß genug. Arnolf gründete ein Konkurrenzunternehmen und schluckte nach drei Jahren die Bank seines Vaters, Commerz, Dresdner und Deutsche folgten.
Mit 18 zählte er zu den reichsten Menschen der Welt, mit 20 befreite er Griechenland mit Hilfe seines Privatvermögens von dessen Staatsschulden, um Buffet, Slim, Gates und Co. eine Chance zu geben aufzuholen, vergeblich. Als er 23 war, wurden Arnolfs Eltern von der eigens dafür gegründeten League of Injustice, bestehend aus diversen Triaden-, Yakuza-, Cosa Nostra- und Drogenkartell-Bossen, entführt, 42 Milliarden Dollar Lösegeld in kleinen, unmarkierten Scheinen. Bei der Übergabe hat sich Arnolf einen Bruch gehoben, musste operiert werden. Nur schwer ließ er sich überreden, sich nicht selbst zu operieren. Unsauberes Operationsbesteck, Blutvergiftung, Tod! Letzte Worte: „Wenn man nicht alles selber macht..!“

Live fast, die young!



Drei Mützen und eine Bravo


Diesmal geht es um dieses Foto, aufgenommen an einer relativ uneinsehbaren Stelle auf dem Campus der Uni Düsseldorf. Falls Ihr Euch fragt, was ich an dieser uneinsehbaren Stelle gemacht habe, da führt ein abkürzender Trampelpfad entlang.





Und hier meine Erklärung:

Vier Jungs, denn Männer war'n sie nicht,
mit Köpfen voller Flausen,
die scheuten nicht das Tageslicht,
drum gingen sie nach draußen.

Ihr Alter brachte mit sich mit,
dass sie Probleme hatten,
die Stimme brach, es wuchs im Schritt,
der Drang, wen zu begatten.

Es sagte ihre Libido,
der viele schon verfielen,
ihnen ganz kess und frech: „Hallo,
hier bin ich! Lass uns spielen!“

Getrieben von der fremden Macht,
sie mussten ihr gehorchen,
begannen sie, zu später Nacht,
nach Nacktbildern zu schnorcheln.

Die Eltern war'n jedoch noch wach,
nachdem sie sich berieten,
schimpften sie laut und drohten, ach,
das Surfen zu verbieten.

Die Drohung wurde Wirklichkeit
- die Jungs konnten's nicht lassen -
sie waren einfach nicht bereit,
die Teen-Zeit zu verpassen.

Sie trafen also, wie gesagt,
sich unter freiem Himmel.
„Das ist nicht fair!“, der Eine klagt,
„Es steuert mich mein Pimmel.“

Die Ander'n pflichteten ihm bei,
die Neugier sei zu mächtig,
der Eltern Toben einerlei,
das mindere sie echt nicht.

Da zog Einer, mit Stolz im Blick,
'ne Bravo aus der Tasche
und sprach: „Es wird mein Lümmel dick,
wenn ich 'nen Blick erhasche

Von Mädchen, die in diesem Blatt,
ganz nackig sind zu sehen.
Wenn man kein Internet mehr hat,
hilft das dem Ding zu Stehen.“

Es scharte sich die Gruppe dann
um dieses Heft, das bunte,
die Spannung stieg nun merklich an,
es freute sich die Runde.

Es wirkte schnell, es schoss das Blut
in drei der Vieren Glieder,
sie fanden nackte Mädchen gut,
für Horst tat's Justin Bieber.
Da standen sie nun, alle Vier,
mit Beulen in der Hose
und dachten „Ach, wie wohl tut mir
Testosteron-Getose!“

Im Rausch der Wollust ließ alsbald
jeder die Buchse nieder.
Versteckt im dichten Stadtparkwald
rieben sie ihre Glieder.

Da sagte einer: „Wollt ihr nicht
'nen kleinen Wettstreit machen?
Dass der Verlierer schäme sich
und die Gewinner lachen.“

Gesagt, getan, es legte dann
ein Jeder seine Mütze
zu Boden vor dem Nebenmann,
dass er darin ersprütze.

„Das Ziel ist es, so schnell es geht
die Kappe zu beflecken.
Der Letzte muss, weil er zu spät,
damit sein Haupt bedecken.“

Auf Los ging's los, drei starrten fest
auf Bravos nacktes Mädel.
Der Vierte schaute, nicht auf's Bild,
nein, auf der Ander'n Wedel.

Das wirkte gut, es war bewegt,
Horst war als Erster fertig.
Paul hat den zweiten Platz belegt
die Ander'n war'n gleichwertig.

Es war sehr knapp, ein Augenblick
trennte nur diese Beiden.
Doch half es nicht, der arme Nick
musste als Letzter leiden.

Die ersten Drei merkten erst jetzt
den Haken an der Sache:
auch ihre Kappen war'n benetzt,
ganz klar, was man da mache.

Man lasse seinen Hut zurück,
sinnlos, ihn mitzuschleppen,
und feiere sein Siegerglück,
rufe den Letzten Deppen.

Die Eltern sollten, wie ich find',
dringend mal überdenken
was es bewirkt, wenn man sein Kind,
zu sehr versucht zu lenken.

Ein Junge lässt das Wichsen nicht,
ihr könnt ihn nur bewahren,
vor Gruppenzwang bei Tageslicht
und vor verklebten Haaren.

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