Sonntag, 3. Juni 2012

52 Games: Bärte


Na, wenn das mal kein kerniges Thema ist, was da für Woche 18 des 52 Games-Projekts ausgelost wurde. Vielen Dank an Dons Welt für's Vorschlagen. Ich mag Bärte, aber das werdet ihr beim Lesen meines Artikels noch merken. Zunächst mal, wie gewohnt, ein wenig Retrospektive.

Meine Highlights zum Thema 17: FUUUUUUU

Thema 17 war für mich ein bisschen ein Wohlfühlthema, konnte ich beim Lesen so mancher Beiträge doch ein Quäntchen Stolz auf meinen vergleichsweise ausgeglichenen, gelassenen Charakter verspüren, sowie darüber, dass ich über ein paar der beschriebenen Spielszenen, bei denen andere schier verzweifelten nur souverän und müde lächeln kann... So, ob meiner Überheblichkeit verachte ich mich nun wieder. Fuuuuuuu!

Besonders lesenswert fand ich vergangene Woche folgende Beiträge:
  • indanett, weil er einfach recht hat: "Ein ganz großer “Fuuuuuuu” ist in meinen Augen der Online-Zwang bei Diablo 3."
  • Ghosts & Clouds über Max Payne 3, weil sie einfach unrecht hat, bzw. weil der Beitrag zeigt, wie sehr doch alles Geschmackssache ist. Ich werde ihr die Tage mal meine Sicht der Dinge in die Kommentare senfen. "Die Story wird nicht besser, Max und die Nebencharaktere nicht deeper und das Gesamtpaket nicht runder. Ist dieses Mal halt doch nur ‘ne Schiessbude ohne alles."
  • GameExperience über Alpha Protocolweil der Artikel in mir das wohl jedem Gamer bekannte Fuuuuuuu-Gefühl eines Fehlkaufs hervorrief. "Und, war das 2010 veröffentlichte Alpha Protocol gut? Nö. Sondern ein verpasste Chance für ein großes Spiel, das letztlich nicht mehr leistete als einem mächtig auf den Zeiger zu gehen." 

Mein Beitrag zum Thema 18: Bärte

Mein erster Gedanke, als ich das aktuelle Thema erfuhr, war "Charakter-Editor". In immer mehr Spielen wird dem Konsumenten die Möglichkeit gegeben, seine Spielfigur optisch individuell seinen Vorlieben anzupassen. Das begrüße ich sehr, denn Individualisierung macht alles ein bisschen persönlicher und hilft einem somit, eine Verbindung zu dem Helden aufzubauen. Allerdings ist es in der Realität leider viel zu oft so, dass man die Spielfigur eben nicht nach seinen Vorstellungen erstellen kann, sondern sich aus den Bausteinen, die einem das Game anbietet, den bestmöglichen Komprmois zusammenbasteln muss. 

Gerade in der Rubrik "Facial Hair" ist man da doch sehr oft sehr eingeschränkt. Ich erwarte ja nicht, dass sie einem da meterlang zur Seite abgewichste Schnurrbärte anbieten, wie man sie von Bart-Weltmeisterschaften kennt (wer will das schon?), aber in viel zu vielen Fällen werden einem nur lächerliche Fußballerbärte, wie ich sie gerne nenne, angeboten: wie mit dem Fineliner gezogene dünne Striemchen am Rande des Gesichts entlang, jämmerliche Soulpatches, oder, wenn die Programmierer total crazy drauf waren, auch mal den Fu Manchu. Was mich am meisten stört ist, dass Koteletten  oftmals nur nach dem entweder-oder-Prinzip funktionieren. Ist es denn so abwegig, Koteletten mit einem weiteren Bartstil wie dem Henriquatre, zum Beispiel, kombinieren zu wollen? So läuft es dann am Ende meist darauf hinaus, dass meine erstellten Figuren mit dem verdienten, aber halt gewöhnlichen Klassiker 3-Tage-Bart ausgestattet werden, denn ganz ohne Bart geht nicht! Weder im Spiel, noch im Real Life! Männer, lasst es sprießen!

Besonders restriktiv fand ich den Editor von Rock Band, nicht unbedingt aus bärtiger Hinsicht, sondern in Sachen Körpertyp. Nachdem ich meiner Band den Namen Woof gegeben und im Bandlogo-Editor mit einem pinken Dreieck und einem Bärenkopf auch alles, was ich brauchte gefunden hatte, hatte ich eine genaue Vorstellung davon, wie die Bandmitglieder aussehen sollten. Bei dem Sänger klappte das auch wunderbar: schlanker Körper, kurze, schwarze Haar, dicker Oberlippenbart, Zirkusdirektorjacke und enge Lederhose – fertig war mein Freddy Mercury Look Alike. Doch beim Rest der Band, in meiner Vorstellung gemütliche, bärige Mannsbilder, wurden mir die Grenzen des Editors aufgezeigt. Potbelly? Fehlanzeige! Bei Rock Band müssen die Musiker wahlweise so aussehen als wären sie entweder völlig ausgehungerte Heroin- oder unappetitlich aufgeblähte Steroid-Junkies. Entweder ein Strich oder ein Keil in der Landschaft, Ovale gibt's bei Rock Band nicht. Pfui, Rock Band, schäm' dich!

Das wäre mein Beitrag zum Thema Bärte gewesen, in meinem Kopf hatte ich ihn schon ausformuliert, das Logo aber noch nicht gephotoshoppt und den Artikel daher noch nicht geschrieben. Da begab es sich, dass ich, ehe ich mich an die Bildbearbeitung setzen wollte, eben noch mal schnell ein paar Runden NHL2K10 daddelte. Das Spiel habe ich mir vor Kurzem erst geholt. Ich stand im GameStop und ging völlig unvoreingenommen alle gebrauchten Spiele von A-Z durch, allerdings schon mit der Vorahnung, dass es unter Umständen ein Eishockey-Spiel werden könnte. Und, siehe da, für erfreulich wenig Geld waren da sowohl 2Ks 2009er und -10er als auch EAs 2009er-Version erhältlich. Nun galt es also zu entscheiden, ob EA oder 2K. Da auf der Verpackung mittlerweile ja kaum noch relevante Informationen zum Spieleinhalt zu finden sind, lief es auf eine reine Bauchentscheidung hinaus. Ich entschied mich aufgrund der etwas besseren Aktualität für 2K. Zuhause angekommen stellte ich dann fest, dass es keinen Career Mode gab! Heutzutage, und auch schon 2010, eigentlich ein Faux-Pas! Hätte ich mich doch mal für EAs Spiel entschieden! Aber weil "hätte" einen nie weiterbringt, habe ich mich damit abgefunden und im Franchise-Modus, sozusagen Career auf Teamebene, eine neue Saison gestartet. Nun ist es ja bei US-Sportarten komischerweise so, dass man pro Saison drölf mal gegen alle möglichen Teams spielt, was bedeutet, dass man eine Ewigkeit spielt, bis man das Ende der Saison erreicht. Glücklicherweise konnte ich diese Ewigkeit mittels Season Options einigermaßen begrenzen, sodass ich dann nach nicht allzu langer Zeit mit meinen Philadelphia Flyers in den Playoffs stand, dem Post-Season-Turnier um den Stanley Cup, der dann, obwohl Post Season, doch das eigentliche Ziel einer Saison sind. Die Amis haben schon komische Konzepte! 

Ich stand also in diesen Playoffs, an jenem verhängnisvollen Tag als ich meinen 52 Games-Artikel über den Haufen warf. Die erste Runde der Playoffs hatte ich schon hinter mir, vielleicht aus emotionaler Ferne zur NHL kamen mir die Playoffs wie die gewöhnliche Saison davor vor, mit der Ausnahme, dass man nun statt drölfmal gegen alle möglichen Mannschaften drölf mal gegen ein und dieselbe Mannschaft antrat. Abgesehen davon waren die Playoffs nichts besonderes. Doch dann das: Ich erzielte mal wieder ein Tor, das Bild zeigte mir den Torschützen in Großaufnahme – mein Top-Center Richards hatte mal wieder zugeschlagen. Doch, nanu, der sah ja ganz anders aus! Statt langweilig glattrasiert zeigte er sich mit einem herrlich dichten Vollbart! Da hatte sich der Schlingel doch tatsächlich, von mir in der ersten Playoff-Runde unbemerkt, klammheimlich die Gesichtsbehaarung stehen lassen. Folgende Tore zeigten, dass er nicht der einzige war. Fast meine gesamte Mannschaft zeigte Bart, wobei mir positiv auffiel, dass hier offenbar beachtet wurde, dass nicht jeder Mann den gleichen Bartwuchs hatte, die Dichte des Gesichtsgestrüpps zeigte sich angenehm uneinheitlich. Nach der ersten Verwunderung viel mir ein, dass es vor Beginn der Saison neben allerlei Punkten, wie zum Beispiel die Saisonlänge, auch die Option Playoff Beards auszuwählen gab, was ich, ohne groß darüber nachzudenken, natürlich ausgewählt hatte.Ha, Playoff Beards! Das gibt's bei EAs NHL-Spielen nicht! Da hatte ich mich wohl doch nicht so knallhart falsch entschieden. Zumindest vermisse ich den Career Mode jetzt nicht mehr allzu sehr und die Playoffs gewinnen dadurch eben doch einen leicht besonderen Flair. Well done, 2K Sports!

P.S.: Den Brauch, sich während wichtigen Turnieren nicht zu rasieren gibt es ja nicht nur im Eishockey. Aktuell, zum Beispiel, läuft ja die Aktion "Dein Bart für Deutschland", die den Fans nahelegt, ihrem Bartwuchs freien Lauf zu lassen, solange die deutsche Mannschaft bei der EM in Polen und der Ukraine mitspielt. Ich verstehe das nicht. Klar, Bart wachsen lassen schön und gut, aber warum nur für die Dauer des Verbleibs im Turnier? Ist das Ende und/oder Aus einer Turnierteilnahme nicht schon traurig genug? Warum dann auch noch künstlich ein Ende der Bartvielzahl erzwingen? Warum nicht zum Beispiel sagen "Ich wechsel meine Unterwäsche solange nicht, wie Deutschland bei der EM spielt!"? Dann freut man sich doppelt, wenn unsere Elf am 1. Juli dann endlich mal wieder den Pokal stemmt.

P.P.S.: An dieser Stelle möchte ich nochmal auf meine Tipprunde EM-Schnorcheln hinweisen. Ihr seid alle eingeladen mitzumachen!

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