Freitag, 6. April 2012

52 Games: Übernatürlich


Das zehnte Thema des Blgoprojekts 52 Games lautet Übernatürlich. Vielen Dank, Zockwork Orange, dass du mir meine sprachliche Unzulänglichkeit vor Augen führst, denn übernatürlich ist eines dieser Wörter, die ich zwar im Kontext irgendwie verstehe, von dem ich aber nicht weiß, was genau ihre Definition ist. Wikipedia sagt, Übernatürliches seien:
Strukturen oder Objekte, die nicht Teil der sichtbaren Welt der Dinge sind, sondern dieser zugrunde liegen oder sie überschreiten.
Soso. Irgendwie verstehe ich dann aber nicht, warum Außerirdische als übernatürlich angesehen werden, und ich glaube, das werden sie. Macht aber auch nichts, denn mein für diese Runde ausgewähltes Spiel hat nichts mit Außerirdischem im engeren Sinne zu tun, sondern mit Göttern, die, falls überhaupt existent, ja auch irgendwie Außerirdische, aber wohl selbst mit dem bestdenkbaren Teleskop nicht sichtbar sind. Übernatürlich also. Ihr habt es inzwischen vielleicht schon erraten, diese Woche geht's bei mir um Black & White (2).




Die meisten werden Peter Molineuxs Metaphysik-Aufbauspiel vermutlich kennen, für diejenigen, denen das Spiel kein Begriff ist, hier eine kurze Vorstellung:

In Black & White spielt man eine Gottheit, die zu Beginn des Spiels nur eine handvoll Gläubige und eine Kreatur als Avatar hat. Wie bei den großen Weltreligionen auch, geht es nun darum, möglichst viele Anhänger zu gewinnen. Natürlich reicht es nicht aus, zu diesem Zwecke auf eine große Gebärfreude seiner schon existierenden JüngerInnen zu vertrauen. Vielmehr müssen Un- beziehungsweise Andersgläubige bekehrt werden. Dies kann man entweder auf klassische Weise mit Glaubenskriegen und Missionaren erreichen, oder aber, und jetzt wird's unrealistisch, durch die besseren Argumente, soll heißen die glücklicheren Anhänger und das beeindruckendere Reich als die Konkurrenzgötter. Darüber, welchen Weg man wählt, den eines wohlwollenden, gütigen Gottes oder den einer schreckenverbreitenden, furchteinflößenden Entität, lässt einem das Spiel die volle Freiheit.

Anders als bei anderen Spielen, in denen sich meine Entscheidungen als Spieler auf das Spielgeschehen auswirken, habe ich mich bei Black & White nicht damit zufrieden gegeben, so zu entscheiden, wie ich es für richtig hielt und dann zu beobachten, wie sich das im Spiel zeigte. Nein, bei Black & White habe ich bewusst versucht, ein zu 100 % böser Gott zu werden, denn die Gesinnung drückte sich auf extreme Weise in der Optik des Games aus, wie das folgende Video zeigt.


Nun seien wir mal so ehrlich: das Böse ist um einiges cooler als das Gute. Also hatte ich mich entschlossen, konsequent auf das Ziel ein absoluter Arschlochgott zu werden, hinzuarbeiten. Auf das meine Hand so herrlich klauenhaft knöchrig werde und meine Kreatur sich zu einem imposanten Avatar wie die folgenden entwickle:


Zu den 100 % guten Kreaturen lassen sich bezeichnenderweise nur wenige Videos finden, keines davon wirklich einbettenswert. Ich tu's trotzdem:


Doch leider hatte meine Kuh nie die Chance, das gezeigte Erscheinungsbild anzunehmen. Zum Einen lag das daran, dass der Black & White 2-Datenträger bis dato die einzige CD ist, die es geschafft hat, beim von-mir-aus-der-Hülle-entnommen-werden zu Bruch zu gehen. Zum Anderen habe ich es einfach nicht geschafft, konsequent böse zu sein. Das liegt mir einfach nicht. Zwar habe ich gerne die Möglichkeit wahrgenommen, durch das Opfern meiner Anhänger nützliche Tributpunkte zu sammeln, das lag aber an meiner Bequemlichkeit und nicht meiner Bosheit. Viel zu oft trieb mich mein Gewissen dazu, die richtige, gute Entscheidung zu treffen. Außerdem konnte ich einfach nicht mit ansehen, wie meine Kreatur meine Stadtbewohner frühstückte. Da brachte ich ihr lieber bei, ihre eigenen Fäkalien zu fressen. People = Shit, verstehste? Leider war das Spiel nicht der gleichen Meinung wie Slipknot, und so hing ich mit meiner Gesinnung stets zwischen den Extremen fest. Zu gut, um so eine coole Raging Bull-Kuh zu haben, und zu faul, um dann wenigstens einen David Bowie-Affen mein Eigen zu nennen. Ich bin einfach zu mittelmäßig für diese Welt!


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