Mittwoch, 18. April 2012

Filmschnorcheln – Kam ein Stöckchen geflogen

Stöckchen, also so etwas wie "Bloggosphären-Kettenbrief-Fragebögen", sind ja ein bisschen verschriehen in der Bloggergemeinschaft. Vermutlich liegt das am Kettenbrief-Charakter und daran, dass die Fragen oft doch sehr an Poesie-Alben erinnern. Mir hat bisher noch niemand ein Stöckchen entgegengeworfen. Bisher. Denn nun bat mich der Angelslayer mit seiner Rumpelkammer doch sein mutiertes Filmstöckchen entgegenzunehmen. Und ich freute mich. Denn ich finde gute Stöckchen gut, und schon allein das Mutieren, also die Tatsache, dass sich jeder Teilnehmer vor dem Weiterwerfen neue, thematisch passende Fragen überlegt, macht dieses Stöckchen gut.

Gerne hätte ich zwar auch die an Angelslayer gestellten Fragen beantwortet, denn da ging es viel um Serien vs. Filme. Ich stelle nämlich in letzter Zeit immer öfter fest, dass ich mehr Serien als Filme gucke, sowieso generell eher nur noch selten ins Kino gehe und aber auch in meinem Heimkino immer weniger Film-DVDs abgespielt werden. Dennoch bin und bleibe ich ein Fan guter Filme und des Erlebnis' eines netten Kinobesuchs, weshalb ich sehr gerne auch die serienfreien mutierten Fragen von Angelslayer beantworte:

1. Im Kino beobachtet man eigentlich regelmäßig, dass die Leute förmlich aufspringen, sobald der Abspann läuft und das Licht angeht. Gehört für Dich der Abspann mit zum Film, der bis zum Ende angesehen wird, oder heißt es eher “Licht an, und nix wie raus hier” ?


Sowohl als auch. Zweifellos gehört der Abspann mit zum Film und die vielen Leute, die dazu beigetragen haben, dass der Film zu dem wurde, was er ist, haben es verdient, dass ihr Name über die Leinwand huscht und auch von irgendwem dabei beobachtet wird. (Der im TV übliche Brauch, Abspänne in die Bildecke zu drängen oder gar brutal zu beschnieden ist eine Unsitte!) Somit ist es ein Zeichen der Wertschätzung, nicht einfach fluchtartig den Kinosaal zu verlassen. Im besten Fall animiert einem der Film ja auch dazu, sich die Credits anzuschauen. Beispielsweise harre ich des Öfteren auf meinem Kinosessel aus, weil mir der Soundtrack zum Film so sehr gefallen hat, dass ich lesen möchte, wer denn da so schön musizierte. Manche Filme versuchen durch Outtakes oder Ähnliches den Zuschauer zum Bleiben zu bringen, das halte ich aber eher für kontraproduktiv, da hier ja wieder die wohlverdiente Aufmerksamkeit von den Mitwirkenden weggelenkt wird.

Ich muss aber zugeben, dass ich in der Regel nicht den ganzen Abspann durchhalte, weil ich von meinem schmerzenden Rücken (bin ich schon so alt, oder sind Kinosessel einfach nicht mehr so bequem wie früher?), drängelnden Reihennachbarn und einem Nikotin-Jieper zum Rausgehen getrieben werde.

2. Popcorn, 3D-Brille, und guter Sound: Was gehört für Dich alles zu einem vollwertigen Kinobesuch? Oder ist das eben genannte schon ausreichend?

Die 3D-Brille schon mal gar nicht. Ich habe bislang noch keinen einzigen 3D-Film gesehen. Das liegt daran, dass ich ein leicht eingeschränktes räumliches Sehvermögen habe, was sich im Alltag kaum bemerkbar macht, es sei denn, es geht darum irgendwas in diesen "Magisches Auge"-Bildern zu sehen oder auf mittlere Distanz ein Getränk einzuschenken. Ich sehe es aber nicht ein, auf die ohnehin schon gepfefferten Kinopreise noch draufzuzahlen für etwas, von dem ich eventuell außer Kopfschmerzen gar nichts habe.

Popcorn vermeide ich beim Kinobesuch auch eher, weil sich diese vermaledeiten Maiskörnhäutchen immer in meinem Rachen verkanten und zu Hustenreiz führen, der weder für mich noch die anderen Kinogänger zum Kinogenuss beiträgt. Stattdessen gönne ich mir bisweilen Nachos mit doppelt Käsedip und ganz unbedingt ein großes Getränk.

Ganz wichtig für einen gelungenen Kinobesuch ist für mich das rechtzeitige Eintreffen, sodass ich die Trailer und -kinowerbung mitbekomme. Hach, Kinowerbung! Diese wunderbare Mischung aus teuren Werbekampagnen und billiger Regional-Reklame. Ich liebe es! In Trier gab es immer einen Spot für einen örtlichen Schuhladen. In dem Spot sah man diverse Fußpaare über eine grüne Wiese hopsen, unter Anderem eines in schwarzen Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln. Das war immer wieder eine angenehme Mischung aus WTF und Empörung.

Unerlässlich für einen schönen Kinoabend ist natürlich auch nette Gesellschaft. Alleine ins Kino ist doof!

3. Sehr oft nehmen es Regisseure nicht all zu genau mit der Darstellung von Themen aus dem Bereich Technik, Physik oder Informatik. Wie hoch ist Deine Schmerzgrenze, wenn Du Dinge aus dem eigenen Berufsleben oder Alltag erkennst, die offensichtlich falsch dargestellt sind? Macht es Dir etwas aus, wenn andere das Gezeigte für real halten?

Ich sehe das gelassen. Mitunter finde ich es sogar sehr unterhaltsam, wenn der nerdige Computerfreak auf die Tastatur einhackt und der Computer mit wildem Gepiepse und Geblinke reagiert. Sowas muss schon auch sein, denn es macht ja auch Spaß, an entsprechenden Stellen spöttisch mit dem Sitznachbar zu tuscheln. Natürlich hat das aber auch seine Grenzen. Wenn aus reiner Effektgeilheit jegliche Regeln der Phyik ausgesetzt werden, dann stößt mir das schon ein wenig sauer auf, genauso wie wenn mal wieder mein zukünftiges Berufsfeld, die Psychologie, vollkommen fehlrepräsentiert wird, sei es durch die stereotype Couch, durch mit psychiatrischen Extremstfällen gesäumte, deprimierend graue Krankenhausflure oder durch den Mythos, ein Psychologe habe den Generalschlüssel zum Unterbewusstsein eines jeden Individuums und folglich volle Kontrolle über Jedermanns Verhalten. Gerade in solchen Fällen stört es mich, wenn Andere das für bare Münze nehmen. Mein Schwager, zum Beispiel hat lange gebraucht um einzusehen, dass selbst die Psychologie es nicht schafft, die breite Masse dazu zu bewegen unglaublich hohe Summen in seinem Philatelie-Geschäft zu lassen.

4. Filme wollen in der Regel etwas vermitteln. Dazu zählt auch mitunter (je nach Genre) die Weltanschauung des Regisseurs. Gab es schon einmal einen Film, der eine möglicherweise sogar provozierende Nachricht hatte, die zum ernsthaften Nachdenken und zu Diskussionen über das Thema geführt hat?

Das steht ja wohl außer Frage! Auch wenn solche Filme meist nur von denen geguckt werden, die mit der Nachricht des Films ohnehin d'accord gehen und von jenem kritisiert werden, die sich den Film aus Prinzip nicht anschauen werden, sondern einfach mal so und grundsätzlich gegen ihn wettern.

Oder meintest du in meinem persönlichen Umfeld? Da besteht naturgemäß eine weitreichende Einstellungshomogenität, schließlich habe ich mir meinen Freundeskreis ja selbst ausgesucht. Diskussionen gab es aber doch die ein oder andere. Mein Vater, zum Beispiel, war der felsenfesten Überzeugung, dass The Green Mile eigentlich ein Film Pro-Todesstrafe war. Ich glaube aber, das lag zum Einen daran, dass er schmollte, weil wir uns mal gegen ihn durchgesetzt haben und nicht irgendwas Lokalpatriotisches auf SWR3, sondern einen guten Film auf einem Privatsender geguckt haben. Zum Anderen sind in seinen Augen grundsätzlich alle amerikansichen Filme von Vorneherein schlecht, weil amerikanisch.

Auch nach Gucken des Films Hostel kam es in meinem Freundeskreis zu einer Diskussion. Es ging dabei um die Frage, ob man jemanden, der bekannterweise recht zimperlich ist unter der Vorspiegelung der falschen Tatsache, es handele sich um einen idyllischen Road Movie in einen solchen Film mitzerren dürfe. Die meisten meinten nein, einer meinte ja und eine war auf dem Klo Kotzen. Noch höherer Konsens bestand bei der Frage, ob Der Untergang, ein Film über Krieg und Genozid, wirklich ein romantisches Happy End mit Fahrradritt in den Sonnenuntergang brauche. Fazit: Nein, und der Film stinkt!

Doch, anders als Der Untergang, sind viele Filme, die sich mit der Nazizeit befassen gut und regen mich, wenn vielleicht nicht zum Nachdenken, dann doch zur Besinnung und zur inneren Einkehr an. Besonders zu erwähnen wären hier Die Brücke und Hitlerjunge Salomon.

5. Wie sehr achtest Du auf Details wie Filmfehler oder beiläufige Bezüge auf andere Filme oder Themen, die unter die Kategorie “Trivia” fallen?

Ich versuche, zumindest beim ersten Gucken eines Films, möglichst ohne Aufmerksamkeits-Scheuklappen den Film einfach auf mich wirken zu lassen. Natürlich gibt es bestimmte Filme, von denen man vorher zum Beispiel weiß, dass irgendwer ein Cameo hat, dass Stephen Fry nackt zu sehen sein wird, oder dass Tarantino wieder eine Kofferraumszene eingebaut hat. Da geht man dann schon mit einer gewissen Vorspannung ins Kino, aber das fällt ja auch nicht unbedingt unter die Kategorie Trivia.

Für mich ist Trivia mehr etwas, was man sich anch dem Sehen des Films durchliest. Das finde ich dann schon spannend, animiert mich aber nicht allein deswegen zum erneuten, fokusierten Anschchauen. Eine Ausnahme bildet hier Mullholland Drive, den ich mir auf Empfehlung meines Bruders auf DVD besorgt und angeschaut habe. Völlig verwirrt habe ich mir danach aus dem Internet David Lynchs Hinweise zum Verständnis des Films ausgedruckt und ihn mir mit dem Ausdruck in der Hand diesbezüglich noch einmal konzentriert angeguckt. Hat nix genützt!

6. Bonus: Male ein Bild von Dir, wie Du im Kino Deinen Lieblingsfilm guckst. 

Vielleicht nicht unbedingt mein Lieblingsfilm, aber Rocky Horror Picture Show ist definitiv ein sehr guter Film. Außerdem wäre ja ein Bild von mir beim Gucken irgendeines anderen Films verglichen dazu langweilig.



So, und nun wird es Zeit für das Stöckchen zum Weitermutieren. Generell ist jeder Blogger, der sich hier auf diesen Post verirrt sehr willkommen, ja, sogar dazu aufgefordert, das Stöckchen zu fangen und zu bearbeiten. Besonders interessieren würde mich, was das gelbe Ding von Seitvertreib und der Herr Redmaker so auf meine Fragen antworten täten. Spannend wäre es auch zu sehen, wass Nicht-Langweiler Maik und Comicfreund Marco so zu sagen hätten. Oder Einhornist Daniel. Ich befürchte nur, die verirren sich nur selten hierher. Ach, ich bin doch schon froh, wenn überhaupt irgendwer mein Stöckchen fängt und es mich auch noch irgendwie wissen lässt. 

  1. Comedy und Action sind so Filmgenres, die in Reinkultur nur selten funktionieren. Ein Film ohne Komik und/oder Action saugt widerum auch Bälle. Ein Paradoxon? Voran liegt das Deiner Meinung nach?
  2. Gibt es eine/n bestimmten Regisseur/in oder Schauspieler/in, der/die dich, obwohl von dir idolisiert, mit einem einzigen bestimmten Film bitter enttäuscht hat?
  3. Filme guckt man gerne in Gesellschaft. Wie hast du es am liebsten? Still konzentriert, rege kommentiert oder doch ganz alleine?
  4. Filme und Videospiele verschmelzen zunehmend. Während früher auf Filmen basierte Videospiele ein beliebtes Mittel zum Hype-Schröpfen waren, wird in letzter Zeit der umgekehrte Weg vom Videospiel ins Kino immer üblicher. Gleichzeitig werden die Games selbst immer cineastischer. Sind Filme und Videospiele wie Äpfel und Birnen oder doch eher wie Jonagold und Granny Smith? Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Medien? 
  5. Was sagt eigentlich dieses "Von den Machern von..." wirklich aus? Ist es für dich ein Argument, den Film zu sehen?
  6. Bonusfrage: Der Soundtrack eines Films ist ein alles andere als unwichtiger Aspekt bei der Wirkung die der Film auf uns hat. Welcher Soundtrack ist deiner Meinung nach besonders gut gelungen? Bonus-Bonusfrage: Gibt es so etwas wie einen "Soundtrack zu deinem Leben"?

Kommentare:

  1. Fühle dich herzlich dazu eingeladen auch die Fragen zu beantworten, die ich unter anderem an den Angelslayer gegeben habe. Wie ich in meinem Artikel schrieb soll gerne jeder andere seinen Senf dazu geben, der sich von den Fragen angesprochen fühlt. Beantwortest du halt zwei Stöckchen. Lernt man dich dabei gleich doppelt so gut kennen ;)

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  2. Erfolgreich das Stöckchen gefangen, bearbeitet und weitergeschnitzt: http://redmakersplace.wordpress.com/2012/04/20/cineastische-schnorchelstockchen/ :)

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  3. Sehr cooles Bild. Das gibt ne Eins mit Stern. Eine Frage hätte ich aber noch: Ist das ein Papierhut? Oder eher so ein Hipster-Angler-Hut?

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    1. Das ist ein aus einer Zeitung gefalteter Regenschutz. Sowas kommt, glaube ich, während des Songs "There's a Light" zum Einsatz, gleichzeitig mit Wasserpistolen. Da ich aber, anders als es das Bild vermuten lässt, den Film noch nie im Kino gesehen habe, und selbst wenn, ich bei dem ganzen Trara nicht mitmachen täte, bin ihc mir da nicht ganz so sicher.

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